Tagesarchiv: 20. Juli 2010

Baumkuschler oder Lakenfetischist?

Wir bewegen uns auf dem Land, wo die hübschen Mitmenschen weiblichen Geschlechts entweder noch Kinder sind, oder schon welche haben. Man findet daher alternative Ziele für die Kanalisierung der eigenen Lust. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist hier nicht die Rede von Kühen, Fahrrädern oder Bäumen.
Nach acht Nächten draußen, auf der Isomatte im Gras, bekommt ein einfaches Bett einen völlig anderen Stellenwert. Nicht zur Kanalisierung der Lust, sondern an und für sich genommen. Nachdem wir fürstlich mit vier Gängen bekocht werden – unter anderem Nudeln, die al dente sind, in einem richtigen großen Topf gekocht, und eine Käseplatte mit herzhaften Schätzen aus der Region – beziehen wir die Gemächer. Eikes Benehmen, als er die Weichheit der Matratze spürt, als seine Nase tief in dem frischegewaschenen Kissenbezug versinkt, als er die dicke Decke liebkost, ist am ehesten mit „orgasmisch“ zu beschreiben.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Frankreich, unterwegs, Vallée du Lot

Hydra, Hydra, wir verehren Dich

Unsere vier Trinkflaschen aus Plastik enthalten außer einem Spuckschluck nur noch 3,6 Liter Luft. Die Wasser-Reserve ist zur Neige gegangen, weggeschluckt auf dem Anstieg hinter Cahors. Ein unhaltbarer Zustand, in der brüllenden Hitze der trockenen „Causse“-Kalksteinlandschaft. Quasi lebensgefährlich, völlig intolerabel.
An einer Kreuzung mit ein paar Häusern treten wir in die einzige Einfahrt ohne bellenden Hund. Ein Mann ohne Zähne empfängt uns. Man versteht ihn nicht. Aber anscheinend freut er sich über unseren Besuch. Wir bitten freundlich um ein free refill. Der Bitte wird stattgegeben. Opa Zahnlos drückt uns einen dicken schwarzen Schlauch in die Hand und verschwindet. Das andere Ende des Schlauches führt in ein Fenster, aus dem herzhafter Tiergeruch strömt. Kurze Zeit später sprudelt es kräftig.
Als alle Flaschen aufgefüllt und Opa Zahnlos wieder erschienen ist, beantworten wir sein Gemurmel immer mit drei mal „Oui“ und einmal „Haha“, bedanken uns und gehen.
Bis auf ein leichtes Zwicken im Magel ist isotonisches Stallwasser, neben seinen hervorragenden Eigenschaften als Durstlöscher, das ideale Sportlergetränk.

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