It’s a kind of sacred

Saint-Roch. Mal wieder Saint-Roch. Besonders kreativ waren die frommen Kirchenaufsteller in den vergangenen Jahrhunderten nicht. Fast alle Kapellen am Wegesrand tragen denselben Namen.
Sankt Rock.
Rock wie Rockmusik, nicht Rock wie unter den Rock greifen.
Diese Kapelle Sankt Rock, die wir kurz vor Ende des geplanten Etappenziels erreichen, ist wunderschön gelegen. Wir lassen uns dazu hinreißen, die Abfahrt auf den nächsten Tag zu verschieben und uns in die Nähe der Kirche zu betten. Dieser 180°-Blick von der einsame Anhöhe über das Umland würde jede Libelle vor Neid so sehr erblassen lassen, dass man sie nicht mehr von einer Mückenlarve unterscheiden könnte.
Doch wie die Sonne sich senkt, wie die schweißgetränkten Trikots vom Wind abgekühlt werden, wird uns kalt. Ziemlich kalt. Wir sind nur auf 353 Metern Seehöhe, und doch bläst es hier wie aus einer Klimaanlage.
Wo schlafen wir? Rechts neben der Kirche? Zu windig. Links neben der Kirche? Auch zu windig. Hinter der Kirche? Zu verkackt. Selbst hartgesottene Latrinencamper wie wir werfen das Handtuch, wenn eine Wiese einen Farb-Quotienten aufweist, der 1:1,5 übersteigt (grün:braunweiß).
Also, wo pennen? Gegenüber der Kirche beim Picknickplatz? Zu schattig, da kommen wir morgen nie aus den Kunstfasern.
Es weht.
Die Kirche!
Von den vorherigen Hitzetagen gut temperiert, strahlen die dicken Steinmauern eine wohlige Wärme aus. Doch die 0,5-cm-Isomatte ist dem harten Steinboden nicht gewachsen. Eine Lage Stroh wäre jetzt gut, sage ich zu Eike.
Wir kochen erstmal. Eine Kirchenbank wird zum Wäschetrockner, eine zum Schrank, eine zur IT-Abteilung und eine zum Küchentisch. Die Funktion der HIFI-Anlage übernehmen Eike und ich abwechselnd: Ein beherzter Zug an der Kette neben der Tür erzeugt einen friedlichen Ton. Zusätzlich zücken wir das seit Langem ungenutzte MP3-Handy und erweisen dem Kirchennamen alle Ehre. Wir rocken.
Die zwei Glöckner knien sodann fromm auf der Holzbank und fressen Pasta vom Campingkocher.
Ein Verdauungs- und Erleichterungspaziergang (Quotient: 1:1,52) fördert in direkter Kappellen-Nachbarschaft ein im Mondlicht erstrahlendes frisch gemähtes Kornfeld zu Tage. Wir tragen sechs Arm voll Stroh in den windgeschützten Eingang der Kirche und schlafen wie Prinzen. Zwei selige Stallprinzen im geheiligten Kornbett.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter unterwegs, Vallée du Lot

3 Antworten zu “It’s a kind of sacred

  1. Gisa

    Ich bin allein zu Haus.
    Und lache so laut, dass ich gerade zusammenzucke und mir Gedanken über die Gedanken der Nachbarn mache.

    Eine göttliche Geschichte!
    Der Höhepunkt, nee Tiefpunkt, die Pasta im Knien.

  2. lutz

    ein ehemaliger meßdiener in römisch katholischen diensten weiß dazu folgendes zu sagen: ein stern kann es nicht gewesen sein, der euch zum stall heimleuchtete, ihr habt ja räder, keine autos. lourdes oder fatima in form von heiligen lichtgestalten wird´s auch nicht gewesen sein, ohne anzuzweifeln, dass ihr nach wie vor von jungfräulichen erscheinungen träumt. josef und maria als rollenspiel? schwanger und downhill? das passt nicht. nichts liegt also näher als in diesem fall von ochs und esel zu sprechen, die auf stroh gebettet vor der mp3-krippe harren! die heiligen 3 könige könnt ihr euch schenken. nix mit myrrhe oder weihrauch! und papst ist mit seinem 120l kamel auch längst über alle berge. die letzte interpretation ist eher simpel gestrickt: sackgesichter suchen passendes nachtlager! wie dem auch sei, besser als das lukasevangelium ist die story allemal. und solange euch kein unterzuckerter pastor vernascht habt ihr euren frieden. in ewigkeit, mit strohbeladenen Armen!

  3. Pingback: Neuigkeiten « Pamp-Ham-Bike

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