Tagesarchiv: 23. Juli 2010

Pech und pecher

Phänomenal sind die dichten Farne, die bunten Sträucher und das feuchte GRÜN. Grün überall. Nebel, so weit das Auge reicht. Alles glitscht.
Etwas weniger famos ist die Idee, den steilen Wanderweg mit seinen seifigen Felsbrocken hinabzubrettern, der erst Eike 3 Meter hangabwärts in die Rabatten wirft (glimpflich) und dann mich (aufs Knie) und dann nochmal mich (auf den Ellenbogen). Der Kaffee im bezaubernden Conques stellt die geschwundenen Kräfte wieder her, die Eiswürfel auf den Extremitäten kühlen Prellung und Kopf. Der Blick für die berühmte Abtei ist wieder geöffnet. Trotz des romanischen Stils ist sie hoch, mächtig und imposant – und schmeichelt doch mit ausgegelichenen Proportionen.
Das Knie erholt sich, wir brechen auf nach Osten. Drei Acs werden passiert: Espeyrac, Golinhac und Castaillac. Dunkelgraue Wolken verleihen den dunkelgrauen Dörfern einen mystisch-zeitlosen Touch. Die wohldosierten, pointierten Sonnenflecken erfreuen im Einklang mit tiefblauen Himmelsfetzen in schöner Regelmäßigkeit das scharfe Auge des Radlers.
Auf einer mittelrasanten Abfahrt über einen kleinen Feldweg sehe ich plötzlich einen Schlafsack über den Weg purzeln.
Ich lache.
Eike flucht.
Sein Gepäckträger ist abgebrochen.
Wir schnallen seinen Schlafsack auf meinen Gepäckträger. Eike selbst wird umfunktioniert. Wir schnallen seine Isomatte und seinen Gepäckträger auf seinen Rucksack. Er mutiert zum Gepäckträger-Gepäckträger.
Der Schwung schiebt uns zurück ins Lot-Tal, diesmal über Asphalt. Wir sehen zwischen den Bäumen die majestätischen Wassermassen des friedlichen Flusses glitzern und strampeln kontinuierlich, immer dem Flusslauf folgend, nach Espalion.
„Nein, es ist nicht so gut, es gibt nur zwei, naja, ein und halb Restaurant dort“, teilt uns ein freundlicher holländischer Rennradfahrer mit, der von unserem Etappenziel St-Côme spricht. Als er weitergefahren ist, scherzt Eike: „Was dasn fürn Vogel, wir wollen doch nur einmal essen!? “
Nach einem Konserven-Salat-Buffet und einem Hauptgericht mit drei Varianten kalten Fleischs wissen wir, was Kollege rasierte Wade meinte.
Nicht unser Tag.

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Ein Morgen im Dunst

Nach einer entpsannten Nacht im Strohbett vor der Chapelle St.Roch, ein paar Kilometer vor Conques, werden wir mit leichtem Nieselregen geweckt, den wir für den Abwasch nutzen und sogar noch einen Topf gefüllt bekommen um den frischen Morgen mit einem Tee zu starten. Dazu gibt es Müsli mit Datteln und Aprikosen. Miĺch wird durch Wasser ersetzt. Auf 300m Höhe zeigt das Thermometer knappe 14 Grad an, die auf dem Rad aber schnell vergessen sind. Einzig die Nässe ist zu spüren und kühlt bei der ersten Abfahrt unangenehm. Nach einigen Kilometern ist das aber vergessen und die Konzentration wird der Straße gewidmet, die uns Richtung Conques führt bis sich der Blick auf ein weiteres Tal öffent, wieder mit einer völlig neuen Vegetation, die im Dunst einen fast tropischen Eindruck vermittelt. Die Berghänge gehen fast senkrecht bergab und lassen schnell erahnen wie auf 500m Strecke 300 Höhenmeter bergab zurückgelegt werden sollen…[weiter]

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