Pech und pecher

Phänomenal sind die dichten Farne, die bunten Sträucher und das feuchte GRÜN. Grün überall. Nebel, so weit das Auge reicht. Alles glitscht.
Etwas weniger famos ist die Idee, den steilen Wanderweg mit seinen seifigen Felsbrocken hinabzubrettern, der erst Eike 3 Meter hangabwärts in die Rabatten wirft (glimpflich) und dann mich (aufs Knie) und dann nochmal mich (auf den Ellenbogen). Der Kaffee im bezaubernden Conques stellt die geschwundenen Kräfte wieder her, die Eiswürfel auf den Extremitäten kühlen Prellung und Kopf. Der Blick für die berühmte Abtei ist wieder geöffnet. Trotz des romanischen Stils ist sie hoch, mächtig und imposant – und schmeichelt doch mit ausgegelichenen Proportionen.
Das Knie erholt sich, wir brechen auf nach Osten. Drei Acs werden passiert: Espeyrac, Golinhac und Castaillac. Dunkelgraue Wolken verleihen den dunkelgrauen Dörfern einen mystisch-zeitlosen Touch. Die wohldosierten, pointierten Sonnenflecken erfreuen im Einklang mit tiefblauen Himmelsfetzen in schöner Regelmäßigkeit das scharfe Auge des Radlers.
Auf einer mittelrasanten Abfahrt über einen kleinen Feldweg sehe ich plötzlich einen Schlafsack über den Weg purzeln.
Ich lache.
Eike flucht.
Sein Gepäckträger ist abgebrochen.
Wir schnallen seinen Schlafsack auf meinen Gepäckträger. Eike selbst wird umfunktioniert. Wir schnallen seine Isomatte und seinen Gepäckträger auf seinen Rucksack. Er mutiert zum Gepäckträger-Gepäckträger.
Der Schwung schiebt uns zurück ins Lot-Tal, diesmal über Asphalt. Wir sehen zwischen den Bäumen die majestätischen Wassermassen des friedlichen Flusses glitzern und strampeln kontinuierlich, immer dem Flusslauf folgend, nach Espalion.
„Nein, es ist nicht so gut, es gibt nur zwei, naja, ein und halb Restaurant dort“, teilt uns ein freundlicher holländischer Rennradfahrer mit, der von unserem Etappenziel St-Côme spricht. Als er weitergefahren ist, scherzt Eike: „Was dasn fürn Vogel, wir wollen doch nur einmal essen!? “
Nach einem Konserven-Salat-Buffet und einem Hauptgericht mit drei Varianten kalten Fleischs wissen wir, was Kollege rasierte Wade meinte.
Nicht unser Tag.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter unterwegs

4 Antworten zu “Pech und pecher

  1. Gisa

    Gott sei Dank wusste ich ja schon von diesem schwarzen Tag.
    So konnte ich die innere Visualisierung des Gepäckträger-Gepäckträgers Eike voll auskosten.

    Sonst hätte ich natürlich geweint.

    Und du, Barbara?
    Hast du das noch gar nicht gelesen????

  2. lutz

    kleiner tipp meinerseits:
    eike möge sich einen zettel auf den rücken kleben oder sein t-shirt rücklinks beschriften: „falls ihr dies lesen könnt, ist auch mein rucksack runtergefallen!“

  3. phan-thomas

    noch ein weiterer zwinkernder Tipp:

    Wenn Eike schon mal rücklings sein T-Shirt beschriftet hat, dann kann er gleich auch seine Radlerhose hinten auf dem Hintern beschriften: „Falls ihr dies lesen könnt, ist nicht nur mein Gepäckträger und mein Rucksack, sondern auch ich selbst bin runtergefallen!“ 😉

    • lutz

      dann könnte man noch was direkt auf den hintern schreiben:“falls ihr dies lesen könnt, ist moritz runtergefallen!“

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