Todesangst im Spießer-Chaos

Was für eine Umgewöhnung! Nach sieben Tagen Mountainbiken in den Bergen plötzlich die Großstadt. Die regeltreue, saubere, graue, carportig-geordnete Einengungs-Welt des bitterhässlich-spießigen Vororts hätte mich direkt in die Straßenbahn getrieben und das mit dem Mit-den-eigenen-Waden-die-gesamte-Strecke-Bewältigen ganz schnell vergessen lassen, wenn Eike nicht standhaft geblieben wäre. Wir bleiben sitzen und fahren das letzte Stückchen der Etappe nach Basel weiter auf dem Fahrrad. Er soll recht bekommen. Im Windschatten eines Rennradfahrers lässt es sich besser ertragen, wir sind schnell in der Innenstadt. Weniger spießig, genauso geordnet, aber voller: Gefährlich!
Die Herrscharen von anderen Radlern, Autos, Fußgängern, Mofafahrern, Taxis, Ampeln, Zebrastreifen, hübschen Mädchen, Bordsteinkanten, Straßenbahnen, Kinderwagen! Alle bewegen sich! Was für ein Durcheinander!
Ich wünsche mich wieder zurück auf die einsamen Landstraßen, wo man es nur mit Straßenbegrenzungspfosten, Bäumen, Milchwagen und zerquetschten Igeln zu tun hat. Oder in den Wald, wo man außer Büschen, Schnecken und Holzstapeln nur glitschigen oder scharfkantigen Felsbrocken ausweichen muss, die genau wie die Schlammpfützen und Schlaglöcher wenigstens an ihrem Platz bleiben. Die Radfahrer, Motocrosser und Wanderer, die sonst so durch Alpen- oder Pyrenäengefilde pirschen, sind im Jura selten anzutreffen. Viel Natur, viel Regen, viel Matsch, viel Nebel, viel kalt. Wenig Ausblick. Kein Wunder, dass wir da alleine waren.
Ein Ruhetag in Basel erlaubt uns am nächsten Tag doch noch die Fortbewegung in der Straßenbahn.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Basel, Schweiz, unterwegs

Eine Antwort zu “Todesangst im Spießer-Chaos

  1. phanthomas

    Hört sich nach einer jähen Zäsur.

    Habt ihr zwei nicht das Tosen einer im Durcheinander belebten Stadt vermisst während der Zeit als entrückte Bergradler? Ihr schreibt es fast so als ob ihr euch wirklich unwohl fühlen würdet 😉

    Also werdet ihr in Hamburg dann leider ja auch nicht allzu lange aushalten, oder?

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