Zurück in Deutschland

Die Sonne blinzelt über die Kämme der Schwarzwaldhügel. Sie blinzelt unter die Plane, lässt den orangenen Schlafsack in all seiner Neonpracht erstrahlen, bringt den roten Rahmen meines vollgefederten Fahrrades auf dem satten grün der Wiese zur vollen Komplementär-Geltung.
Auf den einsamen Waldwegen des Schwarzwaldradweges waren am Vortag die Einkaufsgelegenheiten Mangelware. Eine Idylle ohne Frühstück.
Die ersten neun Kilometer wecken uns auf: Kurze Abfahrt, 57 km/h max, dann gesalzene 400 Höhenmeter rauf. Die einzige Einkehrmöglichkeit, die an einem Werktagmorgen geöffnet hat, befindet sich an der Talstation des Belchen-Lifts.
Kein Zweifel: Wir sind zurück in der Heimat. Das ist Deutschland!
Helles Holzdekor an den Wänden, gebügelte türkise Decken auf den Tischen, braune Fliesen mit hellbraunen Blumen in den überdimensionierten, nach Geschlechtern getrennten, blitzblanken sanitären Anlagen und der Clou: Voller Komfort durch samtene Sitzpolster in schwarz-lila.
Das frischgeschlagene Rührei mit Speck wird untermalt von einem Monolog am Nachbartisch. Ein Hotelangestellter bereitet mit psychologischem Geschick sein Gäste-Ehepaar auf ihr ganz großes Abenteuer vor: Die Halbtageswanderung mit Rückfahrt im Bus. Mit väterlicher Sorgfalt und in lupenreinem Schwabenschwatz erklärt er die Wanderkarte in aller Ausführlichkeit.
„Die rodde Raude isch dr Weschtweg. Lassense sich net däusche, des geht immr brgab, des steile kommt ersch zum Schlss!“

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Eingeordnet unter Deutschland, Schwarzwald, unterwegs

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