Archiv des Autors: Moritz

Erster Erfolg: 50 gebrauchte Räder gespendet

Die Mühe hat sich gelohnt! Dank der unermüdlichen Arbeit von Chris und Emil, ihres Zeichens edle Ritter der jungen Volkshilfe, und dank der soliden Tretkunst der Pamphambike-Piloten Eike und Moritz, sind die ersten 50 Fahrräder gespendet worden!
Bevor hier jemand unkt, die Rohstoffe zur Erzeugung eines Fahrrades würden unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen: Es handelt sich nicht um ressourcen-intensive Neuanfertigungen, sondern um 100% nachhaltige, gebrauchte Fahrräder!
Die Stadt Wien freut sich, dass ihr jemand die Arbeit abnimmt, sich um abgegebene Räder zu kümmern. In einer Art Fahrrad-Version der Abwrackprämie hatte die Stadt Neukäufer von Fahrrädern mit 70,- € unterstützt, sofern diese ihr altes Rad abgeben und das neue mindestens 140,- kostet.
Die Wiener bikekitchen (die übrigens hinter so genialen Projekten wie dem mobilen Garten steckt) hat sich bereit erklärt, die Räder auf optimale Einsatzfähigkeit für ein neues Leben zu polieren.

Die gerechte Verteilung (Stand 7.10.) der bikes:

  • 2 Dienstfahrräder für die junge Volkshilfe
  • 5 Räder fürs Team des Wiener Obdachlosen-Stadtmagazins „Augustin“
  • 43 Räder gehen in die Obhut verschiedener Flüchtlingsheime im Raum Wien, mit denen die Volkshilfe kooperiert

Daumen hoch!

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Vier neue Zeitungsartikel

Die Presse-Section ist aktualisiert. Eikes und mein bärtiges Grinsen ziert nicht nur die Seiten von einer spanischen und zwei französischen Zeitungen, sondern strahlt auch aus vier deutschen Lokalzeitungen. Die Scans und PDFs von vier Artikeln, die im August und im September erschienen sind, sind endlich online.
In der Rhein-Neckar-Zeitung befinden wir uns in guter Gesellschaft, der Radverkehr ist dort sehr präsent. So wird auf unserer Seite von vier Radfahrern berichtet. Zwei in karitativer Mission, einer, der besoffen auf die Fresse geflogen ist, und schließlich der vierte, der so breit war, dass er mit auf die Wache musste.

Für Zahlenfreunde an dieser Stelle eine der Eitelkeit zollende Statistik. Fast eine Million mal wurde der Begriff „Pamphambike“ auf ein Zeitungspapier gedruckt:

Datum Zeitung Ort Auflage
15.7.2010 Diario de Navarra Pamplona 60.320
28.7.2010 La Montagne Clermont-Ferrand (Auvergne) 199.808
5.8.2010 L’Est Republicain Nancy 106.970
16.8.2010 Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg 92.188
23.8.2010 Westfalenpost Hagen 115.239
24.8.2010 Soester Anzeiger Soest 35.868
1.9.2010 Elbe Wochenblatt Hamburg 365.000
Summe: ~ 975.000

Viel wichtiger jedoch ist die Gewissheit, die sich langsein einstellt. Eine in einem Interview geäußerte Hoffnung hat sich mit der Tour erfüllt:

„Vielleicht hat die ein oder andere Begegnung dazu beigetragen, Anreize zu liefern, etwas längst vorgehabtes zu verwirklichen. Das können unterschiedliche Dinge sein. Für den einen ist es vielleicht wichtig, sich selbst noch mal an seine körperlichen Grenzen zu bringen, für den anderen ist es überfällig, einen Streit zu begleichen. In jedem Fall aber führt es weg vom Materiellen hin zu dem, was das Leben ausmacht!“

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Ganz akut

Erster Tag in Hamburg, schon ein Pressetermin. Der Reporter vom Eimsbüttler Wochenblatt fragt beim Frühstück im Garten, unter der Plane, auf die es tröpfelt, was jetzt, nach der Tour, noch anstünde. Ganz konkret, als nächstes.
Gute Frage.
Frühstücken, vier Stunden lang.

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Aus 2 mach 0,5 im dunklen Äther

100 zeigt der Tacho an, als die Sonne untergeht. Hundert Kilometer sind es, die wir bis dahin gefahren sind. Es fehlen nur noch 100 bis Hamburg. Nur noch eine Tagesetappe.
Für die letzten 100 Kilometer und die groß angelegte Zieleinfahrt bleiben uns 2 geplante Tage. Der Wetterbericht ist schlecht. 100 Kilometer, zwei Tage? So kurz vorm Ziel? Zwei Regentage? Wer würde Freitag nach Buchholz kommen, wenn es in Strömen regnet?
Die einzige Antwort: Wir kappen die Nacht. Direkt im Anschluss an die normale Tagesleistung suchen wir nicht den schönsten Schlafplatz, sondern die größte Herausforderung. 12 Stunden Fahrradfahren. Weiter, durch die schwarze Nacht, auf dem schwarzen Asphalt, weiter, bis Hamburg.
Durch die schwarze Lüneburger Heide, über schwarze Radwege an schwarzen Landstraßen, zwischen grauen Baumstämmen und weißen Reflektoren. Weiße Punkte im schwarzen Nichts.
Die kleinen Camping-Kopflampen erhellen die drei Meter vorm Lenker. Neben dem schwarzen Asphalt blitzen graue Baumstämme auf und verschwinden. Hinter dem dunkelgrauen Schein der Kopflampen: Schwarz. Schwarzer Äther.
Wir decken uns bei den bunt gleißenden Verpflegungsstationen (Supermärkte) mit Apfelsaft, Riegeln, Trockenfrüchten und Bananen ein. Mehrmals – Der Treibstoff ist schnell verbraucht.
Wir fahren weiter, dem brennenden Arsch zum Trotz. Wir überhören den Ruhewunsch der harten Achillessehnen. Wir berauschen uns am Summen der Reifen im schwarzen Nichts. Die Beine treten weiter.
Die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos überblenden die Schmerzen im Rücken. Die Reifen summen. Wir singen.
Himmelsrichtungen sind schwer auszumachen im Nichts. Wir verfahren uns 2-mal und haben bei der Ankunft auf dem Apostelkirchen-Platz 226 Kilometer auf dem Tacho.
Der Sekt schmeckt süß. Sehr süß.

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Centrum

Die letzten Höhenmeter in den Harburger Bergen sind geil. Richtig hart und sind die Musklen, richtig schwer die Beine. Aber es funktioniert noch, man kommt mit 16 km/h den Berg rauf und mit 35 wieder runter. Die Berge sind sanft, hier, im hohen Norden, nahe der Heimat.
Wir pesen in einem Lucas-Brunelle-mäßigen Dreiergespann durch die leere Nacht. Volle Kanone. Keine Kreuzung zu groß, kein Waldstück zu dunkel, keine Kurve zu eng.
Wir
haben
es
drauf!
Gottfried, Eikes Vater, holt uns um elf Uhr nachts in Buchholz ab. Er kommt uns von S-Bahn Harburg entgegengeradelt. Wir treffen in der gleichen Sekunde in Buchholz ein, klatschen uns ab und fetzen in die Stadt.
Die Stadt schläft, es herrscht kein Verkehr, in dieser Mittwochnacht. Die typischen Leuchtschilder „Centrum“ in weiß und in gelb heißen uns willkommen. Im Hafen stehen die Kräne still, die Container stapeln sich. Breite Straßen, grüne Bäume, fette Hafenindustrie. Kopfsteinpflaster und Klinker.

Die Euphorie ist nicht angetrunken, nicht geschnupft und nicht künstlich. Die Euphorie kommt von ganz unten, von tief innen. Wir geben Gas. Wir jodeln in Unterführungen. Wir nehmen uns an den Schultern und fahren posierend wie Etappensieger der Tour de France über die Elbbrücken, die Arme weit nach oben gestreckt.

Wir treten in die Pedale, als wir in den alten Elbtunnel fahren. Beim Selbstportrait in voller Fahrt lege ich mich beinahe auf die Fresse. Eikes Übermut äußert sich nicht so glimpflich, er springt direkt auf eine Metallkante und zerfetzt sich den Schlauch. Bei der Reparatur vor den Fahrstühlen kriecht die Müdigkeit in die Knochen, es ist kurz vor eins, wir sind seit 13 Stunden auf dem Fahrrad.

Wir singen, als wir die Reeperbahn überqueren.
Wir jubeln, als wir durchs Schulterblatt fahren.
Wir hüpfen über die letzten Treppenstufen und werden, als wir Arm in Arm das vorbereitete Zielbanner durchqueren, von strahlenden Elternfans empfangen, die Tränen in den Augen haben.

HAMBURG!

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Neuigkeiten

  • Neue Einträge seit 15. August
  • Beim gemeinsamen Zieleinlauf am Freitag darf gerne das eigene Fahrrad dekoriert werden:
    Die meisten Kilometer auf der Reise von Pamplona nach Hamburg sind überwunden. Über Steigungen mit 33.000 Höhenmetern haben Eikes und meine Waden uns getragen. Vier Tage rollen wir jetzt in der Norddeutschen Ebene noch aus. Soll gut sein für die Muskeln. Ein Stückchen an der Weser und der Leine entlang und dann noch kurz durch die Lüneburger Heide – Schon sind wir Freitag Mittag in Buchholz.
    Und ab Buchholz! Ab Buchholz kommt der größte peace train seit Woodstock in die Gänge! Ab Buchholz schließen sich jung und alt zusammen, um auf den letzten Kilometern vor Hamburg ein rundes Fest des Zweirades zu feiern, um den Moment zu bezeugen, wie Eike und Moritz nach 3000 Kilometern in der hanseatischen Heimat eintreffen. Ab Buchholz wird „Radln gegen Armut“ radikal demokratisiert!
    Derbe Buchholz, Digger!

    Wer nicht mit dem Fahrrad nach Buchholz fahren will, kann um 11:15 vom Hamburger Hauptbahnhof mit der Bahn anreisen, um um 11:38 in Buchholz zu sein.
    Um 12:00 Uhr ist offizieller Treffpunkt vorm Bahnhof.
    Geheimtipp von Pabst: „Gepäck mitnehmen kostet nichts extra. Also einfach ein bisschen Pappe ans Fahrrad kleben und als Gepäck deklarieren.“

    Auf die Pappe kann, wer mag, seine Forderungen für eine sozialere und ökologischere Gesellschaft schreiben, oder das Radln gegen Armut-Logo, oder ein pain aux raisins malen.

    Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen, gerne auch weitersagen.

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Street Pizza

Nagetiere, Amphibien, Insekten, Greifvögel, Schnecken, Haustiere, Singvögel – Was sich auf den Straßen Europas tümmelt, ist wahrhaftig einen näheren Blick wert. Zerquetscht, zertrümmert, zermatscht – Die Kreativität der Todesursachen durch den motorisierten Verkehr kennt keine Grenzen.

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Regina

Vor zwei Jahren, da hat sich Regina von ihrem Mann getrennt. Bei ihrem Vater, dem alten Choleriker, wollte sie mit ihrer erwachsenen Tochter nicht einziehen. Ein bisschen Geld hatte sie gespart, und kaufte sich ein altes Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert.
Neben ihrem Job als Krankenschwester entwickelte sich das Haus zur perfekten Frust-Therapie für die gescheiterte Ehe. Jeden Abend, jeden Samstag, jeden Sonntag: Tapeten abziehen, Balken freilegen, Teppiche ‚rausreißen, Böden abschleifen, Putz abschlagen – Den körperlichen Tätigkeiten waren keine Grenzen gesetzt. So bewegend war dieser Befreiuungsschlag, dass Regina keine Minute davon abweicht, uns die Renovierung in jedem Detail zu schildern.
Zwei Stunden brav zuhören für eine warme Mahlzeit, eine warme Dusche, eine dicke Portion Gastfreundschaft, eine gemütliche Nacht im neuen alten Haus und ein entspanntes Frühstück mit Tochter Lisa. Die Frikadelle am Ohr – Eine ungewohnte Abwechslung zum Rede und Antwort stehen über unsere Radreise.

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Chill Out

Dieses Geräusch ist eine Nichts-Tu-Tröte, ein Schlaf-Weiter-Weckruf, ein Ach-egal-Appell. Wenn morgens der Regen auf die Plane prasselt, heißt es: Umdrehen, schnell das Ziel für die Tageskilometer vergessen und weiterschlafen.

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Germania Monsoon

Das drückt auf’s Budget, das Scheißwetter. Draußen Radfahren bei Nieseln und Regen, das geht ja noch. Wenn einem kalt wird, tritt man fester in die Pedale. Für die Leistung ein Segen.
Aber sich draußen aufzuhalten, wenn es tagelang grau ist, das geht nicht. Gemütliche Orte ohne Konsumzwang, die sind außerhalb des privat Abgeschotteten nicht zu finden. Wir geben bei jedem Aufwärmen, bei jedem drinnen Aufenthalten – Abgesehen vom abendlichen in-den-Schlafsack-Kriechen und vom Couchsurfing – Geld aus.
Auf öffentliche Bibliotheken, Bahnhofshallen oder Kaufhäuser auszuweichen, wo es warm und trocken ist, aber kein Konsumzwang herrscht, dazu sind wir nicht fähig. Wenn man schon draußen schläft, im Zugwind, unter einer einer hüfthohen kondenswasser-feuchten Plane, und schon seit Wochen auf den Luxus der eigenen festen Behausung verzichtet, soll es wenigstens beim Essen gemütlich sein.
Die westliche Zivilisation ist schon seltsam. Das Dach über’m Kopf bietet Schutz vor der fiesen Umwelt, kostet aber selbst arme Studenten noch mindestens 10 Euro am Tag. Jeden Tag zehn Euro allein für das Recht auf die vier Wände – Manche geben fürs Essen weniger aus.
Unser Reise-Konzept zeigt Schwächen, es war nicht auf tagelangen Regen ausgelegt. Die Natur hebelt unseren Minimalismus aus. Der Gaskocher bleibt kalt. Wir müssen es um die Inanspruchnahme kommerzieller Gastronomie erweitern.
Couchsurfing funktioniert hervorragend. Offene, großzügige Menschen öffnen die Pforten ihrer Behausung und bieten Reisenden wie uns Obhut. Aber eine exakte Planung der Tagesetappe ist nicht möglich, wenn man die Strecke nicht kennt, wenn man nicht weiß, welche Pannen und Wetterkapriolen uns an diesem Tag überraschen werden. Oft fühlen wir uns abends noch fit und fahren weiter als gedacht. Oft liegen die Häuser der couchsurfing-Gastgeber im Tal, wenn wir auf einem Höhenweg sind, oder sie sind zu weit weg von der Strecke.
Die Autonomie der mobilen Behausung gewinnt. Egal wo, eine Plane ist schnell aufgespannt. Sie ist unschlagbar leicht, aber eine Plane ohne Zeltboden gibt die Nässe der Wiese direkt an den Schlafsack weiter. Trotz Isomatte. Scheint tagsüber nicht die Sonne, kann man den Schlafsack nicht trocknen, und abends kriecht man wieder in den feuchten Schlafsack. Zwei bis drei Nächte lassen sich bei milden Temperaturen und bei Windstille so aushalten, dann wird es kritisch.
Kritisch in doppelter Hinsicht: An das Empfinden von kalten Füßen gewöhnt man sich, wenn man den ganzen Tag mit nassen Schuhen fährt. Aber der ehrlichste aller Sinne, der Geruchssinn, will sich nicht daran gewöhnen: An modernde Socken, an modernde Rucksackpolster und an modernde Trikots. Dieser Gestank ist neu. Das hat nichts mehr mit Schweiß zu tun, nichts mehr mit der Sonnencreme von Vorgestern, nichts mehr mit vaselinegetränkten Radhosen-Polstern – Das ist eine
Liga höher.
Flüsse, Bäche und Seen verlieren ihre Anziehungskraft, an feuchten Abenden vor absehbar kühlen Nächten. Auch im Tau auf der Wiese suhlen wir uns nicht mehr. Im Regen zu tanzen würde sich anbieten, aber mit Brennesseln und Disteln im Fuß versaut man sich den Stil.
Wir gehen dazu über, Socken, Rad-Handschuhe und uns selbst auf den beheizten Toiletten von Cafés, Restaurants und Imbissen zu waschen.
Am besten eignen sich dafür Asia-Imbisse. Die bieten Essen mit frischem Gemüse zu geringen Preisen, schenken Tee in großen Kannen aus und sind am schlechtesten besucht – Die Regenzeit übersteht man am besten bei Tschi-Gong, Thai-Fung und Sou-Hu, da stört einen niemand am Waschbecken.

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