Archiv der Kategorie: Frankreich

Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel Dudel

Anstrengend ist das schon, so eine Mountainbike-Reise. Aber nicht in erster Linie das Radfahren selbst, die langen Steigungen und die technisch anspruchsvollen Abschnitte mit schwerem Rucksack. Weder das draußen Schlafen, das wenig-Dabeihaben, noch das ständige Unterbrechen zum Weg wiederfinden oder Platten reparieren.
Am Nervenaufreibensten ist das Gedudel in den miesen Cafés, Bars und Restaurants der Provinz.
Der Wiedereintritt in die Zivilisation – Um aufrecht zu sitzen, um sich im Trockenen aufzuwärmen, um mal wieder eine richtige Mahlzeit einzunehmen, um Netbook und Handy aufzuladen, um unter Leuten zu sein, um einen Spiegel zu sehen und ein Klo zu benutzen, um vielleicht sogar ein freies Drahtlos-Internet zu finden – Wird teuer erkauft, mit einem ungebetenen Folterprogramm aus penetranter Ramsch-Akkustik. Charts, Oldies, hektische Nachrichten in aller Kürze, Werbung – Das Ertragen dieses heftigen Kontrastprogramms, dem Kontrast zum Rauschen der Blätter, zum Surren der Reifen, zum Krachen der Äste und zum Wachsen des Grases, das ist die wahre Herausforderung.

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Konfliktchen, Konfliktchen

Zur Schappelle würde er gerne, der Eike, obwohl da keine Sonne mehr hinscheint, wenn wir oben sein werden. Ich will an der Straße bleiben, wo man noch gemütlich in der Sonne sitzen könnte. Zu laut ist es ihm. Zu nah an der dicken Landstraße. Ebene Unterlage, weiche Wiese, entgegne ich ihm. Oben hätten wir auch Sonne, verteidigt er die Kapelle. Nachts kommt aber kein Auto mehr, hier auf dem Land, versuche ich es. Keine Chance.
Oben angekommen muss ich ihm recht geben. Der Blick aufs Dorf, das die Sonne in Gold taucht, war die kleine Anstrengung wert.
Er muss mir auch recht geben. Die Sonne ist weg.
Dann sind wir ja quit.
Als der Burgfrieden wieder hergestellt ist, lässt er sich vom Schapellmeister in die Rafinessen der sanitären Anlagen einführen. (Ein vorbeischlendender Spaziergänger fortgeschrittenen Alters bringt die Pumpe hinterm Friedhof wieder zum Laufen).
Ich genieße den Blick.
Gleich wird gekocht.

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Geh doch nach Hause, du alte Sitzkacker

Ein Bad in der Loire, nach einem Tag auf der Landstraße, der sich gut liest in der Statistik, tut gut. Die natürliche Gegenstromanlage verlangt einem Muskelaktivität des Oberkörpers ab: Schultern, Arme, Rücken. Ein angemessener Ausgleich zu 102,5 Kilometern auf dem Rad. Und ein eingelöstes Versprechen. Von Le Puy aus sind wir diszipliniert durch die ruhigen Landstraßen an den „Gorges de la Loire“, den Schluchten der Loire, geradelt. Ohne uns von diesem sauberen Nass verführen zu lassen, das sich aus verschiedenen Seehöhen in all seiner Pracht betrachten ließ. Ganz natürlich zwischen Felsen und Wald, einladend mit Kanu- oder Tretbootverleih, zur Rast verführend in kleinen Dörfern mit gemütlichen Cafés: Nein, wir bleiben hart, wir sind keine Sitzkacker, wir fahren weiter. Am Nachmittag, nach einer kurzen Pause im Wald, klettert das Thermometer auf 28 Grad. Wir strampeln. Die eiserne Disziplin wird belohnt. Das Etappenziel erreichen wir vor Ladenschluss. Beim Bäcker erzähle ich von unserer Tour, drücke der freundlichen Verkäuferin einen frischgedruckten Fyler in die Hand (Der vorhergehende Ruhetag war produktiv) und bekomme ein Vollkornbaguette und zwei Berliner geschenkt. Dann im Hellen einen Schlafplatz suchen und baden gehen. Und kochen. Datteln, Lauch und Gemüse mit Erdnüssen in Kokosmilch auf Basmatireis. Damit lassen wir alle Sitzkacker alt aussehen.
Das gepflegte Entspannen nach dem Vollfressen wird jedoch plötzlich unterbrochen. Dicke Tropfen prasseln vom dunkeln Himmel und katapultieren die zwei Radler aus ihrer selig-satten Trance. Peng.
Gewitter!
Sturzregen!
Sturm!
In solchen Extremsituationen gehe ich neuerdings immer auf Nummer sicher. Erstmal den Fahrradhelm aufsetzen. Die folgenden Minuten vergehen so schnell, dass sie in meiner Erinnerung jenseits der messbaren Zeit ablaufen. Quasi in Minuszeit. Puff.
Plötzlich liege ich im von Eike aufgebauten Wohnzimmer. Die Schreibpflicht ruft mich. Leider kann ich ihm beim Festzurren der Heringe zwischen Schlammpfützen, Brennnesseln und Dornensträuchern bei krachenden Niederschlägen gerade nicht behilflich sein. Ich muss für den Blog Einträge schreiben. So liege ich vom Helm beschützt unter der Plane, die reihenweise Regenlaute von sich gibt, und feiere mit allerlei Insektenkram ein ökumenisches Beisammensein mit Buchstaben am Bildschirm.

Sou, Computerfreak, alles wieder under controul, se Kahn is in se Dock.

Eike ist wieder reingekommen.

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Baumkuschler oder Lakenfetischist?

Wir bewegen uns auf dem Land, wo die hübschen Mitmenschen weiblichen Geschlechts entweder noch Kinder sind, oder schon welche haben. Man findet daher alternative Ziele für die Kanalisierung der eigenen Lust. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist hier nicht die Rede von Kühen, Fahrrädern oder Bäumen.
Nach acht Nächten draußen, auf der Isomatte im Gras, bekommt ein einfaches Bett einen völlig anderen Stellenwert. Nicht zur Kanalisierung der Lust, sondern an und für sich genommen. Nachdem wir fürstlich mit vier Gängen bekocht werden – unter anderem Nudeln, die al dente sind, in einem richtigen großen Topf gekocht, und eine Käseplatte mit herzhaften Schätzen aus der Region – beziehen wir die Gemächer. Eikes Benehmen, als er die Weichheit der Matratze spürt, als seine Nase tief in dem frischegewaschenen Kissenbezug versinkt, als er die dicke Decke liebkost, ist am ehesten mit „orgasmisch“ zu beschreiben.

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Süße Teile und die Lehre der Balance

Man bricht sich eine Kante ab, vom Rand, wo die Rosinen schwarz und verbrannt sind. Es knuspert. Dann wandert man mit den Sinnen die Schneckenbahn entlang, Richtung Epizentrum des Geschmacksbebens, stolpert über das erste grobe Zuckerkorn und bleibt mit den Pupillen in der Mitte des Radius hängen. Glitschig die Rosinen, weich und zart der Teig. Auch eine gewisse Zähigkeit kann man hier in den gemäßigten Breiten des Backwaren-Mittelgebirges antreffen. Das äußere Schneckenelement lässt sich nur missmutig vom den innersten Bahnen des weichen Schneckenherzens trennen, kleine Blätterteigfäden halten sich fest. Es ist Zeit für einen Schluck herben Kaffees. Mutig und koffeingestärkt kämpft sich die Gourmet-Gier vor, zum teigigen Zentrum, zum letzten Überbleibsel des göttlichen Pain aux raisains, wo süßer Vanillepudding und kernige Zuckerstücke ein Ying-und-Yang-Bild aus einer Harmonie der Kontraste prägen, man verschlingt den letzten Rest und spürt, wie der heilige Geist auf der eigenen Zunge Buddha an die Titten grabscht.

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Peng o Reh Seng

In Frankreichs haben alle Verkäuferinnen beim Bäcker eine hohe Stimme. Ihr höflich-routinierter Melodie-Singsang ist keine Sprache, sondern eine Performance. Allein das Besichtigen der alltäglichen Boulangerie-Vorstellung ist schon eine Frankreich-Reise wert:

Bonjour Missssieur! Avec plAIsir! Je vous en pris! Est-ce que vous désirez autre choooose? Merrrrci bien! Merci, au revoir et une excellente journée, Monsieur!

Im Südwesten wird die Erfahrung veredelt durch den Anstrich einer Komödie. Der Akzeng, der aus dem „pain“ ein PENG macht, aus dem „Croissant“ ein KrassSONG und aus dem „bonne journée“ ein Bonnnneee journéey, ist très amüseng.

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