Schlagwort-Archive: Begegnungen

Regina

Vor zwei Jahren, da hat sich Regina von ihrem Mann getrennt. Bei ihrem Vater, dem alten Choleriker, wollte sie mit ihrer erwachsenen Tochter nicht einziehen. Ein bisschen Geld hatte sie gespart, und kaufte sich ein altes Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert.
Neben ihrem Job als Krankenschwester entwickelte sich das Haus zur perfekten Frust-Therapie für die gescheiterte Ehe. Jeden Abend, jeden Samstag, jeden Sonntag: Tapeten abziehen, Balken freilegen, Teppiche ‚rausreißen, Böden abschleifen, Putz abschlagen – Den körperlichen Tätigkeiten waren keine Grenzen gesetzt. So bewegend war dieser Befreiuungsschlag, dass Regina keine Minute davon abweicht, uns die Renovierung in jedem Detail zu schildern.
Zwei Stunden brav zuhören für eine warme Mahlzeit, eine warme Dusche, eine dicke Portion Gastfreundschaft, eine gemütliche Nacht im neuen alten Haus und ein entspanntes Frühstück mit Tochter Lisa. Die Frikadelle am Ohr – Eine ungewohnte Abwechslung zum Rede und Antwort stehen über unsere Radreise.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Latein-Nachhilfe

Spanisch, kein Problem. Baskisch, kein Plan. Französisch, planlos. Schwitzerdütsch, verplant. Wander-Deutsch, kinderleicht…Aber voller neuer Überraschungen bleibt das Biker-Latein:
Schon bekannt:
Snake-Bite – Schlangenbiss: beschreibt einen Platten, bei dem sich die Felge bei einem einem starkem Schlag in den Schlauch reinfrisst und ein Lochpaar hinterlässt, dass den Anschein eines Schlangenbisses hinterlässt.
Crossen: Auf unbefestigten Wegen fahren
Single-Trails: Kleine Wanderpfade

Neu

„Flowig“: Beschreibt wohl mehr oder weniger das Crossen auf Singletrails, die nicht allzu steil sind. So interpretieren wir zumindest dieses wichtige Gefühl, das uns ein Biker auf dem Anstieg zum Belchen salopp in unseren Wortschatz schmiss. „Is flowig!“

2 Kommentare

Eingeordnet unter Deutschland, Schwarzwald, unterwegs

Compagnions

Die Kerle sind fünf. Sie sind Deutsche, bepackt bis obenhin. Und sie fahren tatsächlich mit dem Fahrrad von Dresden nach Barcelona!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Bitte rette mir den Tag

Fünfhundert Höhenmeter vor uns, Zuckerspeicher leer, Kaff tot.
Rucksack leer, Bar zu, Bäcker zu, Laden gibt’s nicht.
„Sucht ihr was?“
Der Kerl mit dem kleinen, liebevoll ausgebauten Camping-Kastenwagen gibt bescheiden beim zweiten Mal Nachfragen zu, dass er den Umbau selbst durchführte, lässt sich über PampHamBike informieren und schenkt uns vier süße Teilchen aus seinem Einbauschrank.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Haut Jura, Jura, unterwegs

Malic

Tifaines Mitbewohner ist Comiczeicher. Er isst Reis zum Frühstück, Reis zu Mittag und Reis zum Abendbrot. Seit seinem Jahr in Vietnam hat er sich nicht wieder an den ungesunden westlichen Ess-Rhythmus gewöhnt. Weißer Reis mit grünem Salat zum Frühstück. Zu besonderen Anlässen gibt es Öl und Salz dazu, zum Beispiel wenn Gäste im Haus sind.
Vietnam sei so konsequent kommunistisch, dass dort niemand auch nur im Entferntesten an Aufbegehren oder eine Kritik der bescheidenen Lebensumstände denken würde. Autos gibt es fast keine. Auf den Landstraßen hielten sich die meisten der motorisierten Zweiräder an das Tempolimit von 60, die LKWs jedoch nicht. Jeden Tag hätte er einen schweren Unfall gesehen. Aber die ältere und mittelalte Generation sähe den Tod gar nicht so eng.
Jeder stirbt, der eine früher, der andere später.
Einzig die jungen Leute plädierten für eine vorsichtige Fahrweise.
Wenn im Vietnam jemand stirbt, kommt eine Musikkapelle und spielt eine Woche lang am Ort des Ablebens. An allen Ecken schmettere es, so sei der Tod viel präsenter als bei uns.
In seiner Nachbarschaft sei einmal ein Handwerker tödlich verunglückt, weil er auf dem höchsten Punkt des Gerüstes einen umgedrehten Blumentopf als zusätzliche Leiter benutzte. Der Topf bewegte sich, der Mann kam aus dem Gleichgewicht und stürzte alle Stockwerke hinunter. Sein Nachfolger, ein paar Tage später, während die Kapelle unten die Trauerlieder für den Kollegen blies, wendete denselben Trick mit dem Blumentopf an.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Lyon, unterwegs

Gänse-Jochen

13.000 Gänse werden in der Fabrik seines Arbeitgebers jeden Tag getötet. Die Leber und das Fleisch verarbeitet man zu Pastete, die Federn zu Decken und Matratzen, die Gelenke zu Wurst und die Knochen zu Hunde- und Katzenfutter.
Die Gascogne ist berühmt für ihre Pastete. Hinter fast jedem Haus hört man es schnattern. Die Vögel haben meistens viel Platz, rotten sich aber in der drängenden Hitze an den wenigen Schattenplätzen zusammen. Die Landschaft ist von kleinen Waldstücken, ein paar Weinreben und zahllosen Maisfeldern geprägt. Den Gänsen wird Mais verabreicht, viel Mais. In gekochtem Zustand wird er ihnen in den langen Hals gestopft, damit die Leber wächst.
Nein, genmanipulierten Mais zu verfüttern und anzubauen sei verboten, hier in der Gascogne, sagt Gänse-Jochen. Aber nur bei derjenigen Pastete, die das Siegel der kontrollierten Herkunft trägt – „Denominacion d’origine contrôlée,“ D.O.C., wie beim Wein.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gascogne, unterwegs