Schlagwort-Archive: Frankreich

Schreier und Märkte

Genau rechtzeitig zum Markt am Sonntag erreichen wir Saugues (?). Hier auf dem Dorf, mitten im Zentralmassiv, gibt es andere Ware als gewohnt. Keine Fische, keine Palmen, kein Obst und kein Gemüse geht über die Standtheke. Hier wird Handfestes verkauft. Sägemesser, Taschenmesser, Ferngläser, deftiger Käse, fettige Salami, riesige Laibe knusprigen Bauernbrots und allerlei frische und eingelegte Pilze.
Für die Touristen gibt es geschnitzte Figürchen, gebrannte Nüsse und Zopf.
Der Mann am Konditorei-Stand ist der geborene Verkäufer. Er haut die Ware raus, als stünde Frankreich vor dem Untergang. Ganze Stücke Brioche bietet er zum Probieren an. Eine Minute bis Weltuntergang. Die flockig-sanft gebackenen Blaubeer-Brioches mit Zuckerguss und ihre großzügige Portionierung verleiten alle zum Kauf. Zopf mit ganzen Erdbeeren, Zopf mit Himbeeren, Kuchen mit Walnüssen – Ältere Herrschaften kaufen ein Kilo Kuchen für 20 Euro, Touristen kaufen zwei-mal 300 Gramm, Pärchen nehmen gleich was für die Großeltern mit.
Wir kaufen bescheidene zwei Stücke zum Sofortverzehr.

(Foto Marktstand)

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Süße Teile und die Lehre der Balance

Man bricht sich eine Kante ab, vom Rand, wo die Rosinen schwarz und verbrannt sind. Es knuspert. Dann wandert man mit den Sinnen die Schneckenbahn entlang, Richtung Epizentrum des Geschmacksbebens, stolpert über das erste grobe Zuckerkorn und bleibt mit den Pupillen in der Mitte des Radius hängen. Glitschig die Rosinen, weich und zart der Teig. Auch eine gewisse Zähigkeit kann man hier in den gemäßigten Breiten des Backwaren-Mittelgebirges antreffen. Das äußere Schneckenelement lässt sich nur missmutig vom den innersten Bahnen des weichen Schneckenherzens trennen, kleine Blätterteigfäden halten sich fest. Es ist Zeit für einen Schluck herben Kaffees. Mutig und koffeingestärkt kämpft sich die Gourmet-Gier vor, zum teigigen Zentrum, zum letzten Überbleibsel des göttlichen Pain aux raisains, wo süßer Vanillepudding und kernige Zuckerstücke ein Ying-und-Yang-Bild aus einer Harmonie der Kontraste prägen, man verschlingt den letzten Rest und spürt, wie der heilige Geist auf der eigenen Zunge Buddha an die Titten grabscht.

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Peng o Reh Seng

In Frankreichs haben alle Verkäuferinnen beim Bäcker eine hohe Stimme. Ihr höflich-routinierter Melodie-Singsang ist keine Sprache, sondern eine Performance. Allein das Besichtigen der alltäglichen Boulangerie-Vorstellung ist schon eine Frankreich-Reise wert:

Bonjour Missssieur! Avec plAIsir! Je vous en pris! Est-ce que vous désirez autre choooose? Merrrrci bien! Merci, au revoir et une excellente journée, Monsieur!

Im Südwesten wird die Erfahrung veredelt durch den Anstrich einer Komödie. Der Akzeng, der aus dem „pain“ ein PENG macht, aus dem „Croissant“ ein KrassSONG und aus dem „bonne journée“ ein Bonnnneee journéey, ist très amüseng.

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