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Breakfast at Tifaine’s

„Wann wollt ihr kommen? Jetzt?“ – „Ja.“ – „Jetzt gleich?“ – „Ja.“ – „OK, ich geh heute nicht so spät ins Bett, aber wenn euch das nicht stört, kommt vorbei!“
Eine Stunde, bevor wir unsere schlammverkrustetn Bikes die vier Stockwerke zu seiner WG hochtragen, sagt Tifaine spontan zu. Wir können als Fremde ohne Voranmeldung zwei Tage bei ihm übernachten.
Er ist Fahrradmechaniker, war bis vor kurzem ein Jahr arbeitslos, und hat jetzt notgedrungen eine Stelle einem großen Sportgeschäft angenommen. „Nur Scheiß-Ware verkaufen die dort, ich muss da dringend raus. Wir reparieren sogar die neuen Bikes, bevor wir sie verkaufen können.“
Er ist offen, lustig, großzügig und unkompliziert – Wie man sich einen Gastgeber wünscht. Nicht aufdringlich, aber auch nicht langweilig.
Die WG strahlt den unverkennbaren Charme der Behausungen von Langzeitstudenten und intellektuellem Prekariat aus – Spuren akkumulierter Lebensjahre in humanistischer Freiheit und ökonomischem Grenzgang.
Nach drei Wochen auf der Isomatte scheint der Futon im Wohnzimmer ein Wasserbett zu sein, die abgewetzte WG-Möblierung mutet nach 5-Sterne-Hotel an, und das fröhliche Lärmen der jungen Menschen auf der Straße, das durch die alten Fenster hereinschallt, ist durch nichts zu ersetzen. So schön die Landschaft, so befreiend die Natur, so malerisch die Dörfer – Eins findet man auf dem Jakobsweg bestimmt nicht: Urbanes Flair.

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Baumkuschler oder Lakenfetischist?

Wir bewegen uns auf dem Land, wo die hübschen Mitmenschen weiblichen Geschlechts entweder noch Kinder sind, oder schon welche haben. Man findet daher alternative Ziele für die Kanalisierung der eigenen Lust. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist hier nicht die Rede von Kühen, Fahrrädern oder Bäumen.
Nach acht Nächten draußen, auf der Isomatte im Gras, bekommt ein einfaches Bett einen völlig anderen Stellenwert. Nicht zur Kanalisierung der Lust, sondern an und für sich genommen. Nachdem wir fürstlich mit vier Gängen bekocht werden – unter anderem Nudeln, die al dente sind, in einem richtigen großen Topf gekocht, und eine Käseplatte mit herzhaften Schätzen aus der Region – beziehen wir die Gemächer. Eikes Benehmen, als er die Weichheit der Matratze spürt, als seine Nase tief in dem frischegewaschenen Kissenbezug versinkt, als er die dicke Decke liebkost, ist am ehesten mit „orgasmisch“ zu beschreiben.

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