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JURA JURA

Vor drei Wochen saßen wir in Pamplona am Küchentisch, in der Wohnung von Davids Oma, wo die Jalousien den ganzen Tag heruntergelassen waren, gegen die unerträgliche Hitze des Tages, schaufelten Maisflocken mit Obst und verfolgten die Tour de France in der Glotze. Die PR-Profis vom Tourismus-Verband haben sich was überlegt, fiel mir auf: Gigantische Rennrad-Skulpturen aus Stahl prangten zwischen stillstehenden Skiliften, malerischen Almwiesen und satten Nadelwäldern. Das erregt die Aufmerksamkeit der Hubschrauberkameras. Bei leichter Bewölkung ergibt das hervorragende Bilder: Ein Schwenk über das Panorama, über die Wälder, über das metallene Fahrradmodell, weiter am Straßenrand entlang, vorbei an den Wohnmobilen der Fans mit den Sonnenhüten und den Picknicktischen, auf das Führungsfeld mit seinen Begleitfahrzeugen.
Heute fahren wir selbst durch „Les Rousses“. Das „Vélo Géant“ hat an Glanz verloren, vor dem grauen Hintergrund, und die Werbebanner „Jura Jura“ wirken in den verlassenen Wintersportörtchen fehl am Platze. Aus der Nähe betrachtet verwundern die vielen Fahrradgeschäfte. In den Schaufenstern des Ski-Verleihs, der Apotheke und des Rathauses hängen Fahrräder. Sogar an den Laternen und in den Beeten der Vorgärten. Bei besserem Licht könnte man wunderbare Fotos schießen.
Alles ist feucht, vor allem die Schuhe. Man fängt sofort an zu frieren, wenn man sich nicht bewegt. Bergauf bewegt. Die Abfahrten und ihr tückischer Fahrtwind sind hautnaher Beweis für die Gesetze der Thermodynamik, Kapitel „Temperaturabfall durch Verdunstung“. Ein beheizter Hubschrauber wäre jetzt nett, aber bei dem verhangenen Himmel…

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Bonjour Jura

Bergauf, bergauf und bergauf. Viel Abwechslung boten die heutigen 65 Kilometer nicht. Geradezu grotesk die Temperaturen dazu: Eine stechende Sonne knallt schon um 9 Uhr morgens vom blauen Himmel, man schluckt die 1,8 Liter Wasser in einer Stunde weg, während verwaiste Skigebiete und Schilder für Schneeschuh-Wanderungen an einem vorbeiziehen.
Landschaftlich heißt uns das Jura-Gebirge mit einer Vielseitigkeit willkommen, die ihresgleichen sucht. Schroffe Felswände, dunkelgrüne Täler, dichte Nadelwälder, sanfte Wiesen, steinige Schotterpisten, moosige Pfade. Der GTJ, die „große Jura-Überquerung“, ist hervorragend ausgeschildert und verspricht, richtig anstrengend zu werden.
Doch bevor wir uns am ersten Tag zu sehr verausgaben, drängen sich Wolken in der kompletten Palette an Grau- und Blautönen an den Himmel. Wir werden von einem satten Platzregen erlöst, der uns gestattet, schon um 18:30 das Abendlager aufzubauen.
Ab unter die Plane. Wir wählen die Aufbau-Variante „Zelt“: Zwei Stöcke in die Mitte, die Ecken in den Boden. So kann es von der Wind-Seite nicht reinregnen. Nachdem wir den ganzen Tag mit krummem Rücken auf dem Rad hockten, kriechen wir nun ebenfalls gebeugt in den kleinen Unterschlupf. Eike, der verwöhnte Schnösel, bekommt Heimweh:

„Alter, ich brauch ja nicht viel, aber ein Zimmer, in dem man stehen kann, das wär echt mal wieder nicht schlecht.“

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