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Wir haben dir was mitgebracht – nass, nass, nass!

Feucht, kalt, nass.
Glitschig, rutschig, matschig.

Die 55 Kilometer sehen wenig aus, aber mit 1400 Höhenmetern auf kleinen fiesen Pfaden im Dauerregen zehren sie an den Kräften. Die Blicke auf die Schluchten des Doubs sind nicht sehr verheißungsvoll, Wasser ist eh schon überall.
Eine weitere Nacht draußen würden wir nicht überstehen. Gott lenkt einen Sonnenstrahl auf die Kirche und ein netter Pfarrer lässt uns im Gemeindesaal nächtigen.

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Eingeordnet unter Haut Doubs, Jura, unterwegs

It’s a kind of sacred

Saint-Roch. Mal wieder Saint-Roch. Besonders kreativ waren die frommen Kirchenaufsteller in den vergangenen Jahrhunderten nicht. Fast alle Kapellen am Wegesrand tragen denselben Namen.
Sankt Rock.
Rock wie Rockmusik, nicht Rock wie unter den Rock greifen.
Diese Kapelle Sankt Rock, die wir kurz vor Ende des geplanten Etappenziels erreichen, ist wunderschön gelegen. Wir lassen uns dazu hinreißen, die Abfahrt auf den nächsten Tag zu verschieben und uns in die Nähe der Kirche zu betten. Dieser 180°-Blick von der einsame Anhöhe über das Umland würde jede Libelle vor Neid so sehr erblassen lassen, dass man sie nicht mehr von einer Mückenlarve unterscheiden könnte.
Doch wie die Sonne sich senkt, wie die schweißgetränkten Trikots vom Wind abgekühlt werden, wird uns kalt. Ziemlich kalt. Wir sind nur auf 353 Metern Seehöhe, und doch bläst es hier wie aus einer Klimaanlage.
Wo schlafen wir? Rechts neben der Kirche? Zu windig. Links neben der Kirche? Auch zu windig. Hinter der Kirche? Zu verkackt. Selbst hartgesottene Latrinencamper wie wir werfen das Handtuch, wenn eine Wiese einen Farb-Quotienten aufweist, der 1:1,5 übersteigt (grün:braunweiß).
Also, wo pennen? Gegenüber der Kirche beim Picknickplatz? Zu schattig, da kommen wir morgen nie aus den Kunstfasern.
Es weht.
Die Kirche!
Von den vorherigen Hitzetagen gut temperiert, strahlen die dicken Steinmauern eine wohlige Wärme aus. Doch die 0,5-cm-Isomatte ist dem harten Steinboden nicht gewachsen. Eine Lage Stroh wäre jetzt gut, sage ich zu Eike.
Wir kochen erstmal. Eine Kirchenbank wird zum Wäschetrockner, eine zum Schrank, eine zur IT-Abteilung und eine zum Küchentisch. Die Funktion der HIFI-Anlage übernehmen Eike und ich abwechselnd: Ein beherzter Zug an der Kette neben der Tür erzeugt einen friedlichen Ton. Zusätzlich zücken wir das seit Langem ungenutzte MP3-Handy und erweisen dem Kirchennamen alle Ehre. Wir rocken.
Die zwei Glöckner knien sodann fromm auf der Holzbank und fressen Pasta vom Campingkocher.
Ein Verdauungs- und Erleichterungspaziergang (Quotient: 1:1,52) fördert in direkter Kappellen-Nachbarschaft ein im Mondlicht erstrahlendes frisch gemähtes Kornfeld zu Tage. Wir tragen sechs Arm voll Stroh in den windgeschützten Eingang der Kirche und schlafen wie Prinzen. Zwei selige Stallprinzen im geheiligten Kornbett.

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Religion, Kriege und Orgeln

Montréal ist eine typische gascognische Bastide aus dem 13. Jh., die an der Stelle eines römischen Oppidums entstand. (…) Während der Religionskriege geriet Montréal immer wieder zwischen die Fronten, wobei auch die Basilika St-Orens (13. Jh.) von protestantischen Truppen unter Montgomery zerstört und später im 17. Jh. restauriert wurde.
(Rother Wanderführer, „Jakobsweg Le Puy – Pyrenäen“, Seite 139)

Moritz, nach dem Besuch genannter Basilika:
„Ey, die Kirche hat keine Orgel! Die haben die Orgel vergessen!!“
Eike, draußen eine Banane mampfend: „Die Pfeifen!“

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Eingeordnet unter Gascogne, unterwegs