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Ganz akut

Erster Tag in Hamburg, schon ein Pressetermin. Der Reporter vom Eimsbüttler Wochenblatt fragt beim Frühstück im Garten, unter der Plane, auf die es tröpfelt, was jetzt, nach der Tour, noch anstünde. Ganz konkret, als nächstes.
Gute Frage.
Frühstücken, vier Stunden lang.

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Chill Out

Dieses Geräusch ist eine Nichts-Tu-Tröte, ein Schlaf-Weiter-Weckruf, ein Ach-egal-Appell. Wenn morgens der Regen auf die Plane prasselt, heißt es: Umdrehen, schnell das Ziel für die Tageskilometer vergessen und weiterschlafen.

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Geh doch nach Hause, du alte Sitzkacker

Ein Bad in der Loire, nach einem Tag auf der Landstraße, der sich gut liest in der Statistik, tut gut. Die natürliche Gegenstromanlage verlangt einem Muskelaktivität des Oberkörpers ab: Schultern, Arme, Rücken. Ein angemessener Ausgleich zu 102,5 Kilometern auf dem Rad. Und ein eingelöstes Versprechen. Von Le Puy aus sind wir diszipliniert durch die ruhigen Landstraßen an den „Gorges de la Loire“, den Schluchten der Loire, geradelt. Ohne uns von diesem sauberen Nass verführen zu lassen, das sich aus verschiedenen Seehöhen in all seiner Pracht betrachten ließ. Ganz natürlich zwischen Felsen und Wald, einladend mit Kanu- oder Tretbootverleih, zur Rast verführend in kleinen Dörfern mit gemütlichen Cafés: Nein, wir bleiben hart, wir sind keine Sitzkacker, wir fahren weiter. Am Nachmittag, nach einer kurzen Pause im Wald, klettert das Thermometer auf 28 Grad. Wir strampeln. Die eiserne Disziplin wird belohnt. Das Etappenziel erreichen wir vor Ladenschluss. Beim Bäcker erzähle ich von unserer Tour, drücke der freundlichen Verkäuferin einen frischgedruckten Fyler in die Hand (Der vorhergehende Ruhetag war produktiv) und bekomme ein Vollkornbaguette und zwei Berliner geschenkt. Dann im Hellen einen Schlafplatz suchen und baden gehen. Und kochen. Datteln, Lauch und Gemüse mit Erdnüssen in Kokosmilch auf Basmatireis. Damit lassen wir alle Sitzkacker alt aussehen.
Das gepflegte Entspannen nach dem Vollfressen wird jedoch plötzlich unterbrochen. Dicke Tropfen prasseln vom dunkeln Himmel und katapultieren die zwei Radler aus ihrer selig-satten Trance. Peng.
Gewitter!
Sturzregen!
Sturm!
In solchen Extremsituationen gehe ich neuerdings immer auf Nummer sicher. Erstmal den Fahrradhelm aufsetzen. Die folgenden Minuten vergehen so schnell, dass sie in meiner Erinnerung jenseits der messbaren Zeit ablaufen. Quasi in Minuszeit. Puff.
Plötzlich liege ich im von Eike aufgebauten Wohnzimmer. Die Schreibpflicht ruft mich. Leider kann ich ihm beim Festzurren der Heringe zwischen Schlammpfützen, Brennnesseln und Dornensträuchern bei krachenden Niederschlägen gerade nicht behilflich sein. Ich muss für den Blog Einträge schreiben. So liege ich vom Helm beschützt unter der Plane, die reihenweise Regenlaute von sich gibt, und feiere mit allerlei Insektenkram ein ökumenisches Beisammensein mit Buchstaben am Bildschirm.

Sou, Computerfreak, alles wieder under controul, se Kahn is in se Dock.

Eike ist wieder reingekommen.

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