Schlagwort-Archive: Unfall

Malic

Tifaines Mitbewohner ist Comiczeicher. Er isst Reis zum Frühstück, Reis zu Mittag und Reis zum Abendbrot. Seit seinem Jahr in Vietnam hat er sich nicht wieder an den ungesunden westlichen Ess-Rhythmus gewöhnt. Weißer Reis mit grünem Salat zum Frühstück. Zu besonderen Anlässen gibt es Öl und Salz dazu, zum Beispiel wenn Gäste im Haus sind.
Vietnam sei so konsequent kommunistisch, dass dort niemand auch nur im Entferntesten an Aufbegehren oder eine Kritik der bescheidenen Lebensumstände denken würde. Autos gibt es fast keine. Auf den Landstraßen hielten sich die meisten der motorisierten Zweiräder an das Tempolimit von 60, die LKWs jedoch nicht. Jeden Tag hätte er einen schweren Unfall gesehen. Aber die ältere und mittelalte Generation sähe den Tod gar nicht so eng.
Jeder stirbt, der eine früher, der andere später.
Einzig die jungen Leute plädierten für eine vorsichtige Fahrweise.
Wenn im Vietnam jemand stirbt, kommt eine Musikkapelle und spielt eine Woche lang am Ort des Ablebens. An allen Ecken schmettere es, so sei der Tod viel präsenter als bei uns.
In seiner Nachbarschaft sei einmal ein Handwerker tödlich verunglückt, weil er auf dem höchsten Punkt des Gerüstes einen umgedrehten Blumentopf als zusätzliche Leiter benutzte. Der Topf bewegte sich, der Mann kam aus dem Gleichgewicht und stürzte alle Stockwerke hinunter. Sein Nachfolger, ein paar Tage später, während die Kapelle unten die Trauerlieder für den Kollegen blies, wendete denselben Trick mit dem Blumentopf an.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Lyon, unterwegs

Ein Vergnügen für jung und alt

(Für Eltern und Jungendliche unter 18 Jahren nicht geeignet)
Er liegt am Boden. Er schreit. Er bittet um Hilfe.
Zu fortgeschrittener Spätnachmittags-Stunde, schon einige Pässe und Steigungen in den Waden, schießt Daniel aus einem dunklen Heckentunnel auf die Landstraße und sieht sich frontal über einen Audi A6 fliegen. Panikerfüllt greifen seine Hände zu den Bremshebeln, das Vorderrad rutscht zur Seite, er fliegt über den Lenker, landet gleich neben der Fahrbahn, versucht sich abzurollen und schreit.
Der Audi ist zwar schon weg, die Kollision ist nicht eingetreten, aber die Überraschung, nach dem friedlichen schmalen Heckentunnel auf einen bedrohlichen Zweitonner aus deutschen Landen zu treffen, der es auf plötzlich auftauchende Radfahrer abgesehen hat, sitzt tief.
„Aaaah! Aaaaaaah! Ayuda! Ayudame!!“
Die stimmgewaltige Schmerz-Show wirkt. Das besorgte Team der sportlichen Jungspunde hilft dem Dienstältesten auf die Beine, zwei Autofahrer halten an.
„Ich bin bei der Feuerwehr, soll ich nicht besser einen Krankenwagen rufen?“ – „Nein, ist kein Problem, meine Freundin ist mit dem Auto hier, die ist in fünf Minuten da.“
Keine Querschnittslähmung, keine ausgerenkte Schulter, keine Gehirnerschütterung, kein gebrochener Arm. Daniel findet nach wenigen Minuten unter erleichtertem Lachen wieder seine gewohnte Form, erklärt den umstehenden seinen Schock. Ein blutiger Ellenbogen und ein aufgeschürfter Rücken veranlassen ihn zum Rufen des Begleitfahrzeugs. Freundin Eva ist hurtig zur Stelle und nimmt die beiden Pamplonesen David und Daniel mit ihren Fahrrädern ins Auto.
Wir holen Rucksäcke und Gepäckträger aus dem Kofferraum und werden uns bewusst, dass die Anstiege der nächsten Wochen nicht so leichtfüßig zu bewältigen sein werden wie an diesem ersten gepäckfreien Tag.
Bei der herzlichen Verabschiedung (Achtung, nicht auf Daniels Rücken drücken) wird noch ein finanzielles Doping verabreicht, von Daniels Familie und deren Freunden, die wir in der letzten Woche in dem großen gastfreundlichen Haus kennengelernt haben.
Danke! Und gute Besserung!!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Pyrenäen, unterwegs