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Malic

Tifaines Mitbewohner ist Comiczeicher. Er isst Reis zum Frühstück, Reis zu Mittag und Reis zum Abendbrot. Seit seinem Jahr in Vietnam hat er sich nicht wieder an den ungesunden westlichen Ess-Rhythmus gewöhnt. Weißer Reis mit grünem Salat zum Frühstück. Zu besonderen Anlässen gibt es Öl und Salz dazu, zum Beispiel wenn Gäste im Haus sind.
Vietnam sei so konsequent kommunistisch, dass dort niemand auch nur im Entferntesten an Aufbegehren oder eine Kritik der bescheidenen Lebensumstände denken würde. Autos gibt es fast keine. Auf den Landstraßen hielten sich die meisten der motorisierten Zweiräder an das Tempolimit von 60, die LKWs jedoch nicht. Jeden Tag hätte er einen schweren Unfall gesehen. Aber die ältere und mittelalte Generation sähe den Tod gar nicht so eng.
Jeder stirbt, der eine früher, der andere später.
Einzig die jungen Leute plädierten für eine vorsichtige Fahrweise.
Wenn im Vietnam jemand stirbt, kommt eine Musikkapelle und spielt eine Woche lang am Ort des Ablebens. An allen Ecken schmettere es, so sei der Tod viel präsenter als bei uns.
In seiner Nachbarschaft sei einmal ein Handwerker tödlich verunglückt, weil er auf dem höchsten Punkt des Gerüstes einen umgedrehten Blumentopf als zusätzliche Leiter benutzte. Der Topf bewegte sich, der Mann kam aus dem Gleichgewicht und stürzte alle Stockwerke hinunter. Sein Nachfolger, ein paar Tage später, während die Kapelle unten die Trauerlieder für den Kollegen blies, wendete denselben Trick mit dem Blumentopf an.

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